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| Martin Kilchmann, CASH, Die Wirtschaftszeitung der Schweiz, n°33, August 1993 GLÜCKSFALL |
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| Heute, da die Mode der Winzer die Handgriffe diktiert, beglückt es immer wieder, einen Wein zu finden, der mit skrupulöser Hingabe nach herkömmlicher Art bereitet wurde. Meist gibt dann diese Trouvaille ihre Reize nicht auf den ersten Schluck zu erkennen. Ihre subtile Delikatesse muss vielmehr ergründet werden, wer Gewinn darausziehen will. Die Sassella Riserva Rocce Rosse ist ein derartiger Glücksfall: Die leichte, granatreife Farbechreckt alle ab, die sich nur noch mit violettgefärbten Tinkturen abgeben. Das verhaltene, leise an Himbeeren und Nüsse erinnernde Bouquet ist von jedem protzenden Vanilleton verschont geblieben. Fast sehnig ist der fein gebaute Körper, bitter-trocken der lange anhaltende Abgang. Spröde will der Wein einen abweisen, entfaltet sich dann aber unaufdringlich; und wer seine Sinne schärft, kommt allmählich ins Gespräch mit ihm: Es handelt von einer kargen Landschaft, dem Veltlin, am Fusse der rhätischen Alpen. Es erzählt von seinem Erzeuger, dem scheuen Arturo Pelizzatti, einem aufrechten Konservativen, der noch aufs Kastanienfass schwört und seinen Zöglingen Ruhe gönnt, von einem Wein, der auf altmodische Art seinen Charakter bewahrt hat! |