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Martin Jenni, Dreiland-Zeitung, n° 28, Juli 2001

IL VINO DELLA VALTELLINA

"TOTGESAGTE LEBEN LÄNGER"

Der Veltliner ist tot, es lebe der Veltliner. Nicht "der Veltliner", sondern Weine aus dem Valtellina und von den Lagen Sassella, Inferno und Grumello. Nur geeignet für Weinfreunde, die sich auf ein Produkt einlassen wollen und können. Ungeeignet für Weintrinker mit einer festen Erwartungshaltung. Die Renaissance des Veltlins hat in der Schweiz Einzug gehalten und mit ihr die Azienda Agricola Arturo Pelizzatti Perego. Signor Arturo hat Charisma. Seine Weine auch.

Martin Jenni: Signor Pelizzatti Perego, was bedeutet für Sie, Weinbauer im Alltag zu sein?
Signore Pelizzatti Perego: Dass ich mich tagtäglich mit Enthusiasmus und Respekt zur Natur für meine Erde, meine Weine einsetze. Seit 150 Jahren pflegen wir in unserer Familie den Weinbau. Das prägt und verpflichtet.

Viele Deutschschweizer assoziieren noch heute Valtellina mit Veltlin, mit Veltliner, mit Gerstensuppe, mit nur vor Ort trinkbarem Wein. Dabei werden bei Ihnen erstklassige Weine aus derNebbiolotraube gekeltert. Sind Sie die unentdeckte kleine Schwester des grossen Piemontbruders?
Aber ja! Zugegeben. Ethnologisch gesehen kommt das Veltlin aus dunklen Zeiten, obwohl schon immer gute Weine priduziert wurden.

Sind die Provenienzen Ihrer Region heute eine sinnvolle Alternative zur kostspieligen, "Barolo-Mania"?
Auf jeden Fall. Unsere Weine haben Potenzial, sind aber gewöhnungsbedürftig. Sie eignen sich hervorragend zu Gerichten, da sie sich mit diesen subtil vereinen können, was jedoch nicht heissen soll, dass es ihnen an Charakter fehlen würde. Ein Barolo hingegen ist immer ein starker Gegenpol zum Essen. Sie konkurrenzieren sich, ja es kann keine harmonische Verbindung entstehen.

Wie unterscheiden sich die geologischen Bedingungen in Ihrer Region zum niederschlagsarmen und klimatisch verwöhnten Piemont?
Die Böden im Piemont bestehen aus lehmgelbem Sand oder hauptsächlich in der Langhe aus Kalkmergel. Sie sind marinen Ursprungs. Unsere Unterlage besteht aus Lössboden. So werden die Reben im Valtellina an sonnigen und steilen Hängen, terrassenförmig auf Schüttboden angebaut.


Ist das Valtellina, oder sind Sie an der Weinfachmesse in Verona vertreten?
Sowohl als auch. Das "Consorzio tutela Vini del Valtellina" und wir sind autonom präsent.

Ist "Verona" noch eine Weinfachmesse oder bereits ein Rummelplatz mit Weinen?
Da benötigt es einige deutliche Worte! Verona ist aus dem Ruder gelaufen. Die Messe muss sich wieder auf seine Ursprünge konzentrieren, sonst wird das Ganze unglaubwürdig.

Das Valtellina als Weinregion kennen bis anhin nur Insider. Sind Sie in Basel die Vorhut einer PR-Offensive?
Ich persönlich setzte mich für eine traditionelle Önologie ein, die bewusst den speziellen Charakter der Weine aus dem Valtellina pflegt und fördert. Das heisst nicht, dass ich ein Gegner von modernen Erkenntnissen bin. Doch noch lange nicht jeder Wein gehört im Barrique ausgebaut.

Die Weinhändlung Toscavini hat Sie nach Basel eingeladen und einige Ihrer Crus im Sortiment aufgenommen. Ein idealer Partner?

Aufalle Fälle. Mit Andreas Merz und Kurt Grässli habe ich nicht nur Partner, sondern auch Freunde gefunden. Sie vertreten eine ähnliche Ideologie wie ich. Zudem sind es keine Blender, sondern Kenner. Das schätze ich.

Sie haben Vertrauen zur Basler Gastronomie. Ihre Weine wurden mit einem Nachtessen bei Christian Nussbaumer im Restaurant Brauerei vorgestellt. Weine mit Essen degustieren! Trend oder Tradition?

Ganz klar Tradition. Unsere Crus sind keine Degustationsweine. Sie gehören mit etwas Essbarem auf den Tisch.

Wie bereist man Ihre Heimat, den Norden der Lombardei, die Provinz Sondrio und welche Jahreszeit empfehlen Sie für den individuell Reisenden?

Natürlich lernt man zu Fuss meine Heimat aus einem gunz anderen Blickwinkel kennen. Aber auch motorisiert gilt es das Valtellina zu entdecken (Strada del Vino). Ausser in den Wintermonaten reist es sich zu jeder Jahreszeit angenehm.

Worin liegt die Zukunft der Weine des Valtellina?

Sicherlich in der Förderung des Qualitätsbewusstseins. Doch lesen Sie den von Andreas Merz verfassten Artikel über das Valtellina (Weinfachzeitschrift "Merum" 7/00). Mehr dazu kann man nicht sagen.

Interview Martin Jenni

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Toscavini, Totentantaz 5, Postfach 5, 4001 Basel,
Telefon und Fax 061/261 1600.
Geöffnet: Mi-Fr 12-18 Uhr, Sa 9-16 Uhr.

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