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Andreas März, Merum, Juli 2000

ES MUSS NICHT IMMER BAROLO SEIN: VALTELLINA, DER ANDERE NEBBIOLO

Andreas März, Chefredakteur
Von Andreas März

Valtellina war für mich persönlich nie ein Thema. Als Schweizer kriegte ich in den Sechziger-und Siebzigerjahren zuviel davon. Der "Veltliner" war mir als dünner, säuerlicher und herber Wein in Erinnerung, der irgendwo - so glaubte ich - im südlichen Graubünden erzeugt wurde. So verspürte ich im Verlauf der letzten zwanzig Jahre, in denen ich in Italien lebe, nie je nostalgische Gefühle nach dem Trunk, dem mein jugendlicher Schädel so manches Brummen zu verdanken hatte.
Immerhin entdeckte ich in der Zwischenzeit, dass das Veltlin nicht irgendwo in der Südschweiz, sondern in der norditalienischen Region Lombardei, und zwar in der Provinz Sondrio liegt. Meine weingeographische Ignoranz lässt sich vielleicht damit entschuldigen, dass die Schweizer immer so taten, als wäre der Veltliner ein urhelvetischer Trank und den Ursprung Italien vor den Weinkonsumenten möglichst verschwiegen. Die Produzentennamen auf den Weinkarten klangen zudem durchaus bündnerisch, und ihre Firmensitze lagen in Ortschaften, die schweizerische Postleitzahlen trugen.
Das Tal, das das Valtellina mit der Schweiz verbindet, heisst Puschlav. Und das Puschlav liegt, obschon Seitental des Valtellina und mit der Schweiz nur über den Berninapass verbunden, auf Schweizer Territorium. Seit frühesten Zeiten war die Schweiz der wichtigste Weinmarkt in Reichweite und der Veltliner Weinbau daher ganz auf das Nachbarland im Norden ausgerichtet. Der Veltliner, den kaum jemand mit seinem richtigen, italienischen Namen Valtellina benannte, genoss bei den Schweizern Zollprivilegien, die ihn beim Import gegenüber anderen italienischen Weinen stark bevorzugten. Siebzig Prozent der Valtellina-Produktion - weit über vier Millionen Liter - flossen noch vor zwanzig Jahren über den Bernina nach Graubünden und von dort in die restliche Schweiz.
Aber plötzlich mochten die Schweizer keinen Veltliner mehr. Mit dem Ende der Achtzigerjahre begann die schweizerische Nachfrage rapide zurückzugehen, der helvetische Veltliner-Konsum schrumpfte in den Neunzigerjahren auf ein Viertel der früheren Menge zurück. Die plötzliche Abstinenz ihres Hauptabnehmers löste im lombardischen Alpental eine Krise aus, die unvorbereitet kam und tiefe Spuren hinterliess.

Vom Sforzato in das Valtellina gelockt

Am Tag bevor er zuschneite und das Unwetter die Strassenverbindung von der Schweiz ins Valtellina unterbrach, überquerte ich den Berninapass. Es war mitten im April und ich musste an die Winzer denken, die noch vor wenigen Jahrzehnten mit ihren Schlitten und zwei Weinfässchen von Tirano her kommend oben auf dem Bernina ihre Nachtrast einlegten, in der Frühe des nächsten Tages ihre Reise fortsetzten und in Samaden oder St. Moritz ihren Wein abluden.
Ich machte mir Gedanken über diesen aus Nebbiolo-Trauben gekelterten Wein, der von beachtlicher Robustheit gewesen sein musste, um solche Reisen unbeschadet zu überstehen. Unverwüstlichkeit ist wohl eine der sortenspezifischen Tugenden des Nebbiolo. Weit mehr noch als auf den guten alten Veltliner freute ich mich auf den Superwein, weswegen ich diesen umständlichen Umweg auf mich genommen hatte, den Sforzato.
Der aus angetrockneten Trauben gekelterte Sforzato ist ein kraftvoller, oft starker, trockener Rotwein, der mit seiner dominanten Präsenz alle anderen Weine des Valtellina in seinen Schatten stellt. Gegen den Sforzato verblassen sogar die Weine aus den Spitzenlagen von Sassella und Grumello. Der Strohwein des Valtellina - manche Erzeuger nennen ihn Sfursat - setzt beim Konsumenten nicht viel Einstimmung und nicht viel Weinkenntnisse voraus.
Seine Überkonzentration macht ihn heute, wo solche Weine Mode sind, zu einem kommerziell sehr erfolgreichen, eben "internationalen" Wein. Äusseres Zeichen seines Erfolges ist, dass sich die Sforzato-Produktion in den letzten sieben Jahren verdoppelt hat und 1998 bereits bei 210 000 Flaschen lag.

Der dem Amarone della Valpolicella artverwandte Wein ist objektiv ein guter Wein und auch für ungeübte Gaumen auf Anhieb als Erstklassgewächs zu erkennen. Aber gerade von dieser vordergründigen Güte droht Gefahr: Sein Charakter ist weit mehr durch die Passito-Methode bestimmt als vom einzigartigen Terroir dieses Alpentales. Aber jede Methode ist wiederholbar, konzentrierte Weine, Passito?Weine lassen sich andernorts auch erzeugen.
Sforzato - und Amarone - ähnliche Weine können nicht nur im Valtellina und im Valpolicella, sondern auch in Süditalien oder sonstwo erzeugt werden, und wohl erst noch zu weit geringeren Preisen.
Bei allen Vorbehalten sind die besondere Qualität und das Potential zur langen Lagerung des Sforzato unbestritten. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der Sforzato nicht mehr als ein paar Jahrzehnte kommerzielle Tradition hat. [...]
Je länger mein Aufenthalt im Valtellina dauerte, je mehr Weine ich verkostete, desto klarer wurde mir, dass ich mich durch den Sforzato zwar habe anlocken lassen, ihm aber wohl bald den Rücken kehren würde. [...]
Arturo Pelizzatti Perego (AR.PE.PE.), der Ultratradizionalist des Valtellina, weigert sich heute- nachdem er einer der ersten war, der ihn verkaufte - einen Sforzato zu erzeugen: "Der Sforzato ist nicht der Ausdruck unserer Weinberge, sein Geschmack ist der eines roten Passito, nicht der eines Valtellina. Unsere besten Weine sind Sassella, Grumello, Inferno....... ".

[...].Mit Alberto Marsetti, einem der wenigen Selbstvermarkter des Valtellina, stieg ich die Mauern des Sassella hoch. Die Landschaft, in der ich mich hier oben, über den Dächern von Sondrio befand, war von atemberaubender Schönheit. Auf den nackten Fels geklebte Trockensteinmauern von vier, fünf und mehr Metern Höhe, nur dazu da, die Erde für sechs oder zehn Rebstöcke zusammenzuhalten, zwischen denen halsbrecherische Stiegen hinaufführten, vorbei an einer Flora, wie ich sie sonst nur aus Süditalien kannte. Ich stand mitten in diesem hängenden Garten von Steinmauern, Reben und steilen Pfaden und fragte mich, wer und aus welchem Grund sich wohl all diese Mühe gemacht haben mochte.
"Die Bevölkerung des Valtellina hatte wenig Alternativen. Als diese Hänge urbar gemacht wurden, war der Talboden Sumpfland, bebaubares Land war rar," erklärte mir der junge Marsetti, der neben seinem Winzerberuf auch als Präsident der Winzervereinigung "Associazione Viticoltori Valtellinesi" mit rund 800 Mitgliedern wirkt. "Die Bauern bauten an diesen Südhängen Mauern auf den Fels und schleppten die Erde aus dem Tal hoch."
Aber nicht nur, um Wein zu erzeugen, sondern auch um auf den schmalen Terrassen Lebensnotwendiges anzubauen, Buchweizen zum Beispiel. Auf der anderen Seite des Tals scheint die Sonne nur im Hochsommer für ein paar Stunden. Gras wächst dort am Fuss des Berges, fürs Vieh, ein paar Obstbäume stehen, aber Trauben könnten dort nicht ausreifen.
Das Valtellina ist zusammen mit dem schweizerischen Wallis das einzige Alpental, das von Osten nach Westen verläuft. Die Hänge auf der Nordseite sind riesige Kollektoren, die die Sonne einfangen. Die Tagestemperaturen erreichen im Sommer gute 40 Grad und fallen in der Nacht bis auf 15 Grad runter. Diese extremen TagNacht-Unterschiede erklären die einzigartige Fruchtkomplexität und die ausserordentliche Eleganz der besten Weine des Valtellina.
Bei der Kraxelei durch diesen aus anderen Zeiten stammenden Weinbau - ihn anders als heroisch zu nennen, wäre unpräzis - musste ich an meine sporadischen Wallfahrten an die Rhone denken. Mit Ehrfurcht nippte ich abends in einem Lokal irgendwo in der nördlichen Rhone an einem Glas des Weins, dessen Rebstöcke in schwindelnder Höhe ich am Tag besucht hatte. Weine, mit deren Erzeugung soviel Aufwand und soviel Arbeitsstunden verbunden sind, flössen mir Respekt ein. Irgendwie, so scheint mir beim Trinken solcher Gewächse, spielt sich der Weingenuss in einer viel höheren Dimensionen ab.

Jeder Erfolg muss im Weinberg wurzeln

Je länger ich im Valtellina weilte, je mehr Produzenten ich kennenlernte, je mehr Gespräche ich führte, desto tiefer durchdrang mich die tiefe Weinkultur dieser Gegend. Nach einer Reihe von vielen guten und einigen unvergesslichen Weinen begann ich mich zu fragen, weshalb vom Erfolg des Barolo nichts für diesen anderen, in seinen besten Ausführungen ebenso majestätischen Nebbiolo abfällt. Was sind die Gründe dafür, dass der Nebbiolo?Durst sich ausschliesslich auf Barolo und Barbaresco konzentriert?
Die jüngste Generation der Valtellina ist von lange nicht mehr dagewesenem Format, aber gleichwohl herrscht Ruhe im Valtellina: Vom Weintourismus, den Weinjournalisten, den Importeuren, die die Toskana und die Langhe regelrecht belagern, ist hier nichts zu spüren. [...]Der Schweizer Weinjournalist und Valtellina-Kenner Stefan Keller: "Die heutige Imagekrise ist direkte Folge der goldenen Jahre, die jede Entwicklung verhinderte. Es ging den Produzenten hier zu gut. Der gesicherte Absatz in die Schweiz war Opium für die Produzenten, man brauchte sich weder Sorgen zu machen, noch besondere Qualität hervorzubringen."
Die jüngste Geschichte des Valtellina kann noch heute am verkümmerten und zurückgebliebenen Weinbau abgelesen werden. Die Kolonialisierung des Valtellina durch den Schweizer Weinmarkt und seine Degradierung zum Massenweinlieferant machten während Jahrzehnten jede Investition und jede Erneuerung überflüssig. Und heute, wo ein moderner Markt besondere Qualität zu belohnen bereit ist, muss mit Erziehungssystemen und Klonen gearbeitet werden, die längst vergangenen Zeiten angehören. Der grösste Teil der Rebberge müsste erneuert werden, aber die Mittel dazu sind oft nicht vorhanden.
Auf dem Höhepunkt der Absatzkrise, 1992/1993, fiel der Traubenpreis auf 1000/1500 Lire das Kilo, aber manche Trauben wechselten auch für 500 Lire den Besitzer. Von dem Geld konnten sich die Bauern seinerzeit nicht mal die Spritzmittel kaufen. Mittlerweile hat sich der Traubenpreis wieder erholt und liegt mit 3000 bis 4000 Lire auf einem Niveau, mit dem sich leben und arbeiten lässt.

Das Fehlen der Winzer


Eine Besonderheit des Valtellina ist das fast vollständige Fehlen der Figur des Selbstvermarkters. Das Valtellina zählt zwar rund 3000 Winzer, die Trauben erzeugen, aber die selbstvermarktenden Kleinwinzer lassen sich an einer Hand aufzählen: Marsetti, Nobili, Leusciatti, Motalli und Gianatti. Möglich, so Winzerpräsident Marsetti, dass sich in den kommenden Jahren noch mal vier oder fünf Winzer dazugesellen, auf Grund der extremen Fraktionierung des Grundbesitzes sei jedoch eine breite Bewegung wie in der Langhe ausgeschlossen.
Den Ton im Valtellina geben die Grossen an. Sie keltern die Trauben des Tals, sie vermarkten den Wein, sie bestimmen die Qualität und den Stil des Valtellina. Man schätzt, dass Nino Negri, Triacca, Nera, Plozza zusammen mit der CS Villa weit über drei Viertel der gesamten Valtellina-Trauben vinifizieren. Die Grossen waren es, die in den Siebzigerjahren den Valtellina dem Weingeschmack der Schweizer Kneipengänger angepasst haben, sie sind es nun aber auch, die den Valtellina - wir sprechen vor allem vom Superiore - heute auf einem Niveau anbieten, das die Appellation in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt.
Zu Hilfe kommt den Produzenten bei ihren offenkundigen Qualitätsbestrebungen die Natur, die ihnen nach einer Pechsträhne von vier schlechten Jahrgängen nun seit 1995 nur noch Trauben beschert, mit denen sich das Potential von Lagen und Nebbiolo ebenso wie der neuerwachte Ehrgeiz der Kellermeister verwirklichen lässt.
Ein Sonderfall unter den Veltliner Produzenten ist Arturo Pelizzatti Perego.
Als ich ihm in seinem Keller zuhörte, wie er über Wein philosophierte und von der hundertfünfzigjährigen Tradition seines Hauses erzählte, musste ich unwillkürlich an Franco Biondi Santi denken. Beide haben sie sehr genaue Vorstellungen davon, wie ein typischer Gebietsvertreter ihrer Appellation zu schmecken hat, beide sind sie önologische Botschafter einer anderen Zeit, beide strahlen sie eine Faszination aus, der man sich unmöglich entziehen kann.
Pelizzattis Geschichte ist eigentlich eine tragische: Als 1973 sein Vater starb, musste Arturo, um seinen Schwestern ihren Erbteil ausbezahlen zu können, seine historische Kellerei an die famose Winefood - die misslungene Weinunternehmung der Schweizerischen Kreditanstalt - verkaufen. Seine Weinberge verpachtete er ebenfalls dem neuen Patron, der sich zuvor schon die Nino Negri und die Enologica Valtellinese einverleibt hatte.
Erst im Jahr 1987 konnte Arturo den Keller, in dem er heute ist, von der Gruppo Italiano Vini - die die Aktivitäten der Winefood übernommen hatte - zurückkaufen. Die Marke "Pelizzatti" allerdings ist nach wie vor Eigentum von GIV/Nino Negri. Deshalb ist Arturo nicht erlaubt, seine Weine mit seinem Nachnamen Pelizzatti Perego zu zeichnen, sondern er muss sich mit dem seltsamen Kürzel "Ar.Pe.Pe." begnügen. Waren es während der guten Zeiten 1700 Tonnen Trauben, die in den Pelizzatti-Kellern gekeltert wurden, sind es heute gerade noch 65 Tonnen. Sehr gut ist Pelizzatti weder auf Banken als Weinunternehmer, noch auf italienische Erbgesetze zu sprechen. Wen wunderts?

Meister der Eleganz

In Signor Arturos Keller stehen grosse Fässer voll mit Lagenweinen von Jahrgängen, die man eigentlich für längst ausgetrunken halten würde. Hektoliterweise 90er und andere Kostbarkeiten hat sich Pelizzatti auf die Seite gelegt, und man weiss nicht so recht, ob er den Wein nicht verkaufen wollte, oder ob er nicht konnte...

Arturo öffnete bei meinem Besuch zwei alte, von seinem Vater abgefüllte Weine, die mir die Lächerlichkeit solch bösartiger Unterstellungen peinlich bewusst machten: einen 61er und einen 42er Sassella. Während sich der 61 er ehrwürdig gereift, aber immer noch absolut rüstig zeigte, betörte der 42er durch sein intensives, vielschichtiges und lebhaftes Bukett. Man musste minutenlang am Glas riechen, um alle Nuancen erfassen zu können. Die Kraft, die Fülle, die Geschmackstiefe, die Komplexität und die Länge, die der 58jährige dann im Gaumen brachte, bestätigte meine Überzeugung, wonach der Nebbiolo eine der geheimnisvollsten und wertvollsten Traubensorten ist.
Obschon die Ar.Pe.Pe.-Weine allen Regeln der modernen Önologie und des internationalen Weingeschmacks widersprechen und man die helle, reifende Farbe und die - vermeintlich - fortgeschrittene Reife der Weine bemängeln kann, haben die Subtilität, die herrliche Nebbiolo-Frucht und die Eleganz dieser Weine entscheidend dazu beigetragen, meinem Valtellina-Bild zu nicht erwarteten Dimensionen zu verhelfen. (Erstaunlicherweise waren es ausgerechnet diese altertümlichen Ar.Pe.Pe.-Weine, die in der geöffneten Flasche am längsten frisch blieben, bezeichnenderweise waren es die Barriqueweine, die zuerst oxydierten.). [...]

Ich bin der Meinung, dass mit Feingefühl aus optimalen Trauben gekelterte Sassella, Grumello, Inferno oder Valgella Weine sind, die zum Grössten gehören, was Italien zu bieten hat. Nicht punkto Konzentration natürlich, sondern im Bezug auf Eleganz, auf die Raffinesse der Frucht, auf die Komplexität und die Langlebigkeit. Eigenschaften, die aus dem Zusammenwirken des Nebbiolo und des unvergleichlichen Terroirs des Valtellina erwachsen.
Wie in jeder Appellation gibt es auch hier jedes Jahr
natürlich nur wenige Etiketten, in denen das ganze Potential von Sorte und Boden voll zum Ausdruck kommt. Wie in jeder Appellation muss von jedem einzelnen
Weinmacher jedes Jahr von neuem an der Verwirklichung des "grossen Valtellina" gearbeitet werden. Manchmal gelingt dies besser, manchmal macht der Jahrgang einen Strich durch die Rechnung.

Am ehesten und am häufigsten zum Ziel werden bestimmt Produzenten kommen, die auf hohe Traubenqualität zählen können (weil sie diese zu bezahlen bereit sind ... ), die mit den vom neuen Disziplinar zugelassenen 10 Prozent "andere Sorten" nicht Missbrauch treiben und die auf verbessernde, aber geschmacksverändernde Elemente wie Mostkonzentrat, neue Barriques, Mostkonzentration sowie Verschnitt mit fremden Weinen verzichten. Falls die Produzenten mit Entschiedenheit in Qualität und Stil investieren und sich in ihrem Erfolgsdurst nicht von "internationalen" Abkürzungen verlocken lassen, ist absolut vorstellbar, dass sich in nächster Zukunft mancher preisgestresste Barolo-Fan in den einen oder anderen terroirgeprägten Valtellina-Klassiker verliebt.

Angesichts der Preissituation könnte man sich eine baldige Wiederauferstehung dieses vergessenen italienischen Klassikers absolut vorstellen: Das mittlere Segment (Superiore mit oder ohne Lagenbezeichnung) verfügt über eine ausgesprochen interessante Preisleistung und die Topweine (in der Regel sind sie Superiore und tragen die Zusatzbezeichnung Riserva) kosten im Handel derzeit nicht mehr als 20 bis höchstens 30 DEM/CHF.

Allerdings ist das Valtellina mit 800 Hektar Weinbergen ein vergleichsweise kleines Weingebiet. Die zwei Millionen Flaschen Superiore werden im gleichen Moment zu knapp sein, wo sich im Markt auch nur minimale Anzeichen von Interesse für Sassella, Grumello, Inferno und Valgella bemerkbar machen. Möglicherweise werden wir uns dann wie in der Langhe über zu hohe Preise, ausverkaufte Weine und verriegelte Kellertüren ärgern müssen...

Aber soweit ist es noch nicht, vorerst ist im Valtellina nicht der Wein der König, sondern der Kunde!


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