| Von Andreas März
Der Valtellina wird wie Barolo, Barbaresco und die großen Weine
des Nordpiemonts aus Nebbiolo-Trauben gekeltert. Der Valtellina stammt
aus einer kühlen Gegend mit hohen Tag-Nacht-Temperaturunterschieden
und zeichnet sich aus diesem Grund meist durch mäßigen Alkohol,
kernige Tannine, charaktervolle Säure und eine besonders ausgeprägte
Nebbiolo-Frucht aus.
Die Kosten sind hier, wo meterhohe Mauern erklommen werden müssen,
um von einer Parzelle zur anderen zu gelangen, und wo selbst minimale
Mechanisierung oft nicht möglich ist, ungleich höher als in
den meisten anderen Weingebieten Italiens.
Der Valtellina Superiore DOCG wird in geringen Mengen erzeugt, die Anbaufläche
beträgt nur rund fünfhundert Hektar. Für mich persönlich
gehört der Valtellina zu den wirklich großen Weinen dieser
Welt: Ich stelle ihn auf die gleiche Stufe wie Barolo und Burgunder.
Seine Eleganz und seine Langlebigkeit haben wenig ihresgleichen! Zumindest
von den Anlagen her
Statt nämlich eine Weinkundschaft anzusprechen, die nur bestimmte,
modische Merkmale als Qualitätszeichen versteht, könnten es
sich die Valtellina-Winzer leisten, den kleinen, aber feinen und vor
allem treuen Markt der erfahrenen Weinliebhaber anzupeilen. Diese allein
sind auf die Dauer bereit, für Terroir-Erlebnisse den entsprechenden
Preis zu bezahlen.
Zehn Prozent Toleranz bezüglich Sortenwahl lassen die Produktionsregeln
zu. Aber fremdartig vegetale Noten haben im Valtellina nichts zu suchen.
Das ist nicht geschmacksverbessernd, sondern geschmacklos!
Wie überall in Italien sind auch hier im Valtellina nur sehr wenige
Winzer in der Lage, mit neuem Holz bessere Weine zu machen als mit den
herkömmlichen, großen Holzfässern. Ich kann Valtellina-Weinen
einfach wenig abgewinnen, bei denen die charakteristischen Nebbiolo-Noten
von süßlichem, an frisches oder verkohltes Eichenholz, Gewürze
und Coca Cola erinnerndem Geruch überdeckt wurden.
Leider ist der Holztrend hier offensichtlich am Zunehmen. Angefeuert
vom zweifelhaften Applaus mancher Meinungsmacher, übertreibt es
heute selbst ein Rainoldi. Auch dieser Produzent, der früher eine
außerordentlich gefühlvolle Hand mit neuem Holz zeigte (ich
erinnere mich an die äußerst geglückte Gratwanderung
seines 95er Sassella Riserva), rührt heute seine Weine mit der
großen Holzkelle an.
Eine Mischung aus Wehmut und Ärger packt mich bei der Verkostung
dieser Weine auch deshalb, weil die hervorragende Basis des Ausgangsmaterials
trotz des Holzeinsatzes noch erkennbar ist und ahnen lässt, um
welche Genüsse ich hier gebracht werde.
Ein traditionell ausgebauter Valtellina aus wertvollem Traubengut ist
einer der elegantesten und langlebigsten Weine überhaupt! Ich kann
deshalb nicht verstehen, weshalb manche Produzenten in diesem lombardischen
Alpental sich mit der naturgegebenen Noblesse ihres Weins nicht begnügen
wollen, und, statt diese zur Perfektion zu führen, önologischen
Moden hinterherlaufen.
Ich verstehe, dass ein Nobody-Wein von irgendwoher - um Aufmerksamkeit
auf sich zu ziehen - auf Barriquewürze, Cabernet-Doping und im
Keller erzielte Konzentration angewiesen ist. Unverständlich hingegen
ist für mich, weshalb klassische Schönheiten mit der gleichen
dicken Schminke unkenntlich gemacht werden wie banale Allerweltsweine.
Unsere Verkostungen erfolgen rigoros bei verdeckten Flaschen. Gleichwohl
gibt es in jeder Appellation Weine, die man aus allen unweigerlich herausriecht
und herausschmeckt. Zu diesen gehören neben anderen zum Beispiel
die Weine von Dal Forno, die von Quintarelli, der Montepulciano von
Valentini, die von Poggio Antico, Cacchiano und Castellare, und hier
im Valtellina die Riserva des Weingutes Ar.Pe.Pe. Allein schon die helle,
reife Farbe verrät die Riserva des Signor Arturo, eines dickschädligen
Traditionalisten, der Weine für sentimentale Retro-Gaumen wie den
meinen maßschneidert. Signor Arturo macht unbeirrbar seine Weine
für moderesistente Önostalgiker. Wer dunkle, moderne Weine
mag, sollte meine begeisterten Wertungen für dessen Gewächse
daher auf keinen Fall als Kaufempfehlungen nehmen. Wer aber für
den Zauber von traditionell ausgebauten Nebbiolo-Weinen anfällig
ist, der kommt bei Ar.Pe.Pe. auf seine Kosten.
Wie das bei vielen großen Terroirweinen der Fall ist, überzeugen
auch die klassischen Valtellina nicht immer bei der ersten Begegnung.
Aber das ist nur natürlich, denn Terroirweine - so postuliere ich
- kann nur schätzen, wer sich mit ihnen auseinandersetzt! Kompromisslose
Terroirweine haben es schwer, sich neue Freunde zu machen, auf der anderen
Seite kommt stets wieder zu ihnen zurück, wer sie einmal schätzen
gelernt hat! am
Ar.Pe.Pe., Sondrio (SO)
30 000 Flaschen/11 Hektar
Tel. 0342 214120; Fax 0342 214120
www.arpepe.com; arpepe@libero.it
Valtellina Superiore Grumello DOCG Riserva Buon Consiglio 1995
*** - **** JLF
6950 Flaschen; L. 2 95; eine Abfüllung
Helles Granat; wirkt bei der Erstverkostung recht reif, auch Teernoten,
mit den Stunden tiefe, frische Nebbiolo-Frucht; sehr feiner Ansatz,
samtiges Tannin, Tiefe, reife Frucht, sehr lang; zeigt erst nach 24
Stunden sein ganzes Potential. 2004 - 2015.
Ar.Pe.Pe., Sondrio (SO)
Valtellina Superiore Sassella DOCG Riserva Vigna Regina 1995
**** JLF
4395 Flaschen; L. 265; eine Abfüllung
Ziemlich helles Granat; betörende, unglaublich vielschichtige Nase,
Noten von Trüffel, Petrol, Waldlaub, Waldbeeren, enorm tief; Kraft,
sehr dichter Wein, viel Nebbiolo-Tannin, enorm elegant, von bestem,
burgundischem Charme, gesunde Säure, saftig, reiche, ausgereifte
Valtellina-Frucht, enorm lang; ein im ersten Moment reif wirkender,
sich dann von Stunde zu Stunde verjüngender Wein; für Liebhaber
dieser erz-traditionellen Richtung ein Erlebnis. 2004 - 2015.
Ar.Pe.Pe., Sondrio (SO)
Valtellina Superiore DOCG Sassella Stella Retica 1998
**-**** JLF
12 700 Flaschen; L. 3 58; mehr als eine Abfüllung
Mittelhelles, reifendes Rot; eher verhaltene Nase, mineralische Noten
von Gestein, Beerenkompott; recht dicht, gute Säure, elegant, etwas
rustikal, heftiges Tannin. 2005 - 2010.
Ar.Pe.Pe., Sondrio (SO)
Valtellina Sup. DOCG Sassella Ris. Rocce Rosse Botte n. 5 1997
**-***
5399 Flaschen; L. 1 17; eine Abfüllung
Mittleres, warmes Rot; nicht ganz klare Noten von roten Früchten,
mineralische Noten; Kraft und Fruchtsüße, potentes, noch
kantiges Tannin, Länge, sehr jung, etwas rustikal. 2007 - 2015.
Ar.Pe.Pe., Sondrio (SO)
Valtellina Superiore DOCG Riserva Rocce Rosse 1996
***-****
13 263 Flaschen; L. #; mehr als eine Abfüllung
Reifendes, mittelhelles Hellrot; Noten von Teer, Stroh, Backpflaumen,
tiefe Nebbiolo-Frucht; geschmeidiger Ansatz, rund, dann große
Kraft, Teer, tiefe Nebbiolo-Frucht, gesunde Säure, etwas Butter,
noch sehr jung, Länge auf charaktervollem Valtellina-Tannin. 2006
- 2015.
Ar.Pe.Pe., Sondrio (SO)
Valtellina Superiore DOCG
Grumello Rocca de Piro 1998
**
6600 Flaschen; L. 3 280; eine Abfüllung
Reifendes, mittelhelles Rot; Noten von roten Beeren; Süße,
marmeladige Frucht, müsste eleganter und länger sein, herbes
Tannin.
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